Sonntag, 20. September 2009

Jahrestag

Heute ist mein erster Jahrestag in Italien. Genau heute vor einem Jahr (es war aber ein Samstag) bin ich mit Nathalie und Annika abends am Flughafen Ciampino in Rom angekommen. Das Wetter war warm, wir hatten schon leichten Sonnenuntergang, wir waren erledigt, aufgeregt, neugierig, standen am Flughafen und warteten auf Anika und Joana, die mit dem Bus gekommen sind, um uns abzuholen. Das erste Mal in die neue Wohnung, Gepäck abliefern und gleich wieder los zum ersten Pizzaessen in unserem neuen Zuhause auf Zeit.

Heute ist Sonntag. Es regnet, es ist nicht so schön und ich bin (mal wieder) am Lernen und versuche mir irgendwie die ganzen Kunstgeschichtsdaten in mein Hirn zu prügeln. Es ist so unglaublich viel, und ich könnte mir selbst in den Hintern beißen, dass ich diese blöde Prüfung noch nicht eher gemacht habe. Aber dafür habe ich 6 andere erst gemacht, die ich auch alle bestanden habe. Fehlen noch Kunstgeschichte und Literatur, Fächer, die mir eigentlich Spaß machen - in Deutschland. Naja. BITTEBITTE lass mich diese zwei Prüfungen bestehen, was sonst passiert weiß ich nicht. Wenigstens habe ich dieses Wochenende relativ effetiv nutzen können, da kein Praktikum war und Graziano nach Barcellona gefahren ist mit viel Kumpels. Also keine Ablenkung, viel Schlaf und viel lernen... hmmm. Ich habe wirklich einen großen Kloß im Hals, wenn ich an die Prüfung am Donnerstag denke. ICH WERDE BESTEHEN... ICH MUSS BESTEHEN !!!

Ich möchte eigentlich noch so viel machen in meiner letzten Zeit hier. Wir hatten so viele Pläne, als wir vor einem Jahr hier her gekommen sind, einige haben wir verwirklicht, andere leider nicht. Irgendwie ist das Jahr einfach zu schnell vorüber gegangen, und ich kann kaum glauben, dass ich in weniger als drei Wochen wieder "daheim" bin. Ich bin doch jetzt hier "daheim", trotz der Probleme, die ich hier hatte. Mir fällt es nicht leicht zu gehen, nicht nur wegen Graziano. Innerlich freue ich mich total auf Berlin, auf meine Schwester, auf meine Freunde, ich habe die Möglichkeit, meinen alten Job wieder zu bekommen... klingt doch eigentlich alles super, warum freue ich mich dann nicht so darauf, wie ich es sollte? Bin ich vielleicht nach all dem Meckern und Ärgern über blöde Mitbewohner und blöde Alltagssituationen hier in Rom doch endlich agekommen??? Und das jetzt, kurz bevor ich gehe?

Ich kann mir gut vorstellen, nach meinem Studium wieder hier zu leben. Ich liebe Berlin, und auch wenn ich im Rheinland geboren wurde und mich dort in meiner alten Heimat wohl fühle und ich den Kontakt zu meiner besten Freundin und meinen Frenden dort niemals missen möchte - aber wenn ich eine Stadt in Deutschland wählen müsste, in der ich leben möchte, wird die Antwort Berlin sein. WENN ich in Deutschland bleiben werde. Ich sehe mich dort ehrlich gesagt nicht alt werden. Das ist wohl die einzige Sache, die mein Vater und ich gemeinsam haben - der Drang, in´s Ausland zu gehen und dort zu leben. Ganz schön melodramatisch heute, was? Ich glaube, es liegt am Wetter ;-)

Ich wünsche euch allen einen schönen Sonntag!!! Baci & abbracci

Mittwoch, 16. September 2009

Praktikumsbericht

"Ich bin da.... du bist da... wir sind da... tirallallaaaaaa" ;-) DAS ist eines der neuen Kinderlieder, die ich nun seit schon über einer Woche jeden Tag trällern darf. Wer es nicht weiß oder sich gerade nicht erinnert - ich mache ein vierwöchiges Praktikum im Kindergarten der Deutschen Schule Rom. Das bedeutet, mit insgesamt 18 anderen Betreuerinnen und neben mir noch zwei anderen Praktikantinnen (ab heute leider nur noch eine) fast 200 Kindern beim Wachsen und Lernen zuzuschauen. Jeden Tag ganz viel zu spielen, Streit zu schlichten, zu knuddeln, zu trösten, zusammen in´s Bad zu gehen, die ersten Worte auf deutsch zu lernen, zu singen, zu lachen, zu essen, und noch ganz viel mehr. Ich finde es wunderschön.

Ich hätte es NIE für möglich gehalten, dass ich mich eines Tages inmitten einer Horde von kleinen Kindern befinde, und mich dabei so wohl fühlen würde. Eine kleine Beschreibung des Kindergartenalltags: die Kinder dort kommen in den Kindergarten ab einem Alter von 3 Jahren. Dort gibt es neun verschiedene Gruppen, die jeweils Tiernamen haben (ich war erst in der Giraffengruppe, wo schon etwas ältere Kinder sind, dann in der Igelgruppe, wo dann die ganz kleinen Kids hinkommen, und jetzt erstmal in der Schmetterlingsgruppe, wo auch die ganz Kleinen sind) und in jeder Gruppe sind dann normalerweise zwei Betreuerinnen. In meiner Gruppe ist nur eine Betreuerin, die Isolde, ja und ich. Wir haben 11 Kinder, 4 Mädchen und 7 Jungen. Die Rabaukenbande hält uns tagsüber ganz schön auf Trab muss cih zugeben. Erst müssen sie noch lernen zu verstehen, dass sie nun "groß" sind und ohne Mama und Papa ein paar Stunden verbringen müssen. Das ist gar nicht so einfach, und morgens müssen wir generell erstmal ein paar Tränen trocknen. Und dann wird gespielt. Mit Isolde fühle ich mich sehr wohl, durch ihre Art hat sie mir meine Angst genommen, bei den Knirpsen was falsch zu machen, und ich glaube, ihr gefällt, wie ich mit ihnen umgehe. Ich selbst bin ganz erstaunt, ich bin unglaublich ruhig, habe viiiiiiiiiiel Geduld, lache und rede mit ihnen, und nehme sie auch ganz viel in den Arm. UND die mögen mich. Sie kommen zu mir, wollen neben mir oder auch auf meinem Schoß sitzen, wollen mich überallhin begleiten, wollen mich knuddeln, mit mir spielen und streiten sogar, wer mir erst etwas erzählen darf oder wer näher bei mir sitzen darf oder wessen Hand ich halten soll, wenn wir auf dem Hof spielen gehen. OH GOTT.. die sind soooooooooooooo süß!!! Hätte ich NIEMALS für möglich ghalten, dass ich sowas mal sagen würde. Ich liebe diese Knirpse, auch wenn sie unglaublich anstrengend sind. Einer ist ganz besonders süß, er heißt Giacomo und ist drei Jahre alt. Hoffentlich erinnert er sich auch noch an mich, wenn ich dann nicht mehr da bin ;-( ach was soll ich sagen, sie sind alle süß!!!

Nachteil an der ganzen Sache: ich muss jeden Morgen um 5:45 Uhr aufstehen... und bin dann erst wieder spät am Nachmittag daheim. Müsste auch lernen, aber dann bin ich erstmal immer so geschafft (meistens schlafe ich schon in der Metro ein, gut nur, dass ich an der Endstation von der Linie B wohne....) dass ich mich erstmal hinlegen muss. Die Schule ist weit weg von mir, aber naja, was sind schon 1,5 Stunden pro Richtung??? ;-) und beim kleinen Alessandro mache ich gerade noch etwas Nachhilfe. Also... bin gut beschäftigt und hoffe, ich bekomme das mit den Klausuren auf die Reihe. LINGUISTICA hab ich ja super bestanden - endlich. Hatte so einen Horror vor der Prüfung, aber sogar mein Vermieterkumpel Andrea (ein Ass in Linguistica italiana) ist zu mir gekommen, um an zwei Nachmittagen mit mir zu pauken - mit Erfolg!!!

Um nochmal ganz kurz etwas persönliches zu sagen: DANKESCHÖÖÖÖN für die tollen Fotos Caro!!! *schmacht* ich kann´s kaum erwarten, nach Berlin zu kommen und alle meine Lieben wiederzusehen. Die Schattenseite ist, dass Graziano hier in Rom bleiben wird für den Moment, aber ernsthaft mit dem gedanken spielt, mit nach Berlin u kommen bzw. nachzukommen. Ich hab ihm vorgeschlagen, erstmal zu einem kurzen "urlaub" zu kommen und dann weiterzusehen... aber klingt doch schonmal nicht schlecht, oder???

Das Wetter ist gerade übrigens sehr bescheiden hier ;-( wieder mal so ähnlich wie in "Krieg der Welten", jeden Abend Ungewitter und Megablitze und viel Regen... schööön blöd, ich muss doch meine Bräune halten!!! Ja mal sehen... so, ich werde euch jetzt wieder verlassen, ist schon spät und ich muss morgen leider früh raus *heul* ich wünsch euch allen eine BUONANOTTE ;-*

Mittwoch, 2. September 2009

Der Countdown läuft...gegen mich!!!

Wir haben September. Am 20. September 2008 bin ich abends in Rom angekommen, zusammen mit Annika und Natti. Es ist so komisch, dass ich wirklich fast schon ein Jahr hier in Rom bin und die Zeit einfach so unglaublich schnell vergangen ist. Jetzt kommen die "Neuen" hier an, fangen an, sich einzurichten und ewig viele Fragn zu stellen, und ich erkenne mich in ihnen wieder... irgendwie tut es auch ein bisschen weh, wenn ich sehe, dass sie mit einer solchen Vorfreude hier ankommen, und dass sie nun all die schönen Erfahrungen machen können, die ich bereits gemacht habe. Am Liebsten würde ich gerade beschließen, doch hier zu bleiben... und mein Studium erstmal auf Eis zu legen. Aber dann würde ich glaube ich auch aus dieser WG hier ausziehen, denn auf Dauer mit sechs anderen Mitbewohnern, das ist doch irgendwie zu stressig.

Der neue Mitbewohner ist immernoch strange. Wenn ich nachts aufwache (was eigentlich jede Nacht vorkommt) und kurz in´s Bad gehe oder in die Küche, um Wasser zu trinken, erschrecke ich mich jedes Mal, weil er dann im Wohnzimmer auf der Couch liegt und eine Zigarette qualmt. Das Wohnzimmer liegt genau gegenüber von meinem Zimmer... und jede Nacht ist er da, mit Blick zu meinem Zimmer... gruselig. Vor allem muss ich jedes Mal daran denken, mir etwas überzuziehen - ähhm, das war die erste Begegnung nämlich ziemlich peinlich. Aber er hat auch jede Nacht eine kurze oder lange Jeans an, mir scheint, als hätte er nix anderes zum Schlafen... und DAS wäre echt ekelig!!! Putzen kann er ja... aber er selbst scheint leider nicht so gepflegt zu sein. Das erste russische Mädel, das jetzt hier ist, scheint nett zu sein. Ruhig, nett und auch gepflegt. Habe in meinem nachträglichen Putzwahn, nachdem Luca geflogen ist (juhuuuuuu - er ist wirklich WEG!!!) ausversehen auch ihre Nudeln weggekracht... upps, ich wusste nicht, dass sie ihre Sachen (bestehend aus einer angefagenen Packung Pasta und Kräckern) zu seinen Sachen gestellt hat - weil sein Fach so BÄH war. Naja... sie hat gelacht und es mir zu Glück nicht übel genommen. Ich denke, sie ist selbst genervt, weil sie gestern den halben Tag mit Zimmerputzen hat verbringen müssen - sie hat Lucas Zimmer übernommen, und er hat wirklich NICHTS geputzt und als Krönung sogar noch dreckige Schlüppis hinterlassen. (Wenn ich könnte, würde ich sie ihm nachträglich in den Mund stopfen!!! So eine Sau!!!) Ja und ein neues deutsches Mädel ist auch angekommen, mitsamt ihren Eltern. Scheint auf den ersten Blick auch ganz ok, vielleicht ein bisschen jung (21) und sie studiert Jura in Münster. JURA!!! Naja... ich bin mal gespannt... auf jeden Fall hat sie schonmal Lust auf Grillen und ich denke (oder vielmehr hoffe) dass man mit ihr noch gut was unternehmen kann.

Was ich euch aber eigentlich erzählen wollte: ES HAT GEREGNET VOR DREI TAGEN!!! Wie wunderbar, wir standen gerade auf dem Balkon, schauten uns die Wolken an und hofften, dass es doch vielleicht endlich mal wieder regnen würde... und dann ging es ganz plötzlich los - aber wie! Wolkenbruch, wie es hier so üblich ist, wenn es regnet. Wir haben uns auf den Balkon gestellt, sodass wir klitschnass geworden sind und haben uns wie kleine Kinder gefreut.

Vor zwei Tagen war ich mit Graziano am Meer, in Anzio, einer kleinen und wunderschönen palmigen Stadt knapp 60km von Rom entfernt. Allein die Stadt ist ja toll, und dann waren wir dort an einem freien Strand (freier Strand bedeutet in Italien, dass man weder Eintritt noch Liegestuhl noch Sonnenschirm zahlen muss, wie es leider hier normalerweise üblich ist...) der von Felsen umgeben war. UND das beste an der ganzen Sache: es waren kaum noch Italiener bzw. Touris dort ;-) und wir haben den Tag zusammen total genossen.

Ich muss jetzt weiterlernen. Habe um halb drei heute Nachmittag einen Termin bei einem Prof und morgen kommt mein "Lieblingsvermieter", um mich in Linguistica abzufragen - er selbst nennt sich gern Dr. Linguistica... hahaha... bin ja mal gespannt, hauptsache, es hilft. Denn die Zeit läuft... der 10. ist bald, und ich weiß leider immernoch nicht, wann genau die Letteratura-Termine sein werden. Drückt mir die Daumen...